Retten wir unsere Freundinnen
vor Kinderehen

Von Samia, 14 Jahre, Young Leader aus Bangladesch


Wie viele andere Länder sind auch wir mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Ein Leben in Armut stellt den Alltag vieler Familien dar; während Kinderehen, Kinderarbeit sowie körperliche und seelische Gewalt gegen Kinder enorme gesellschaftliche Probleme in Bangladesch sind. Daher können Kinder, die in unsere Welt hineingeboren werden, ihre Rechte nicht ausleben und leiden täglich auf unterschiedlichste Art und Weise.

Laut diverser Statistiken auf Grundlage von UNICEF-Daten liegt die Kinderehenquote in Bangladesch bei 54%, während sich die Quote körperlicher und seelischer Gewalt auf 82% summiert. Diese Zahlen sind extrem hoch und zeichnen für jedes Land und jede Gesellschaft ein schreckliches Bild.

Für unser Land sind das große Probleme. Eine weitere Schwierigkeit ist der mangelhafte Schutz von Kindern, verschlimmert durch die hohe Analphabetenrate und die tief verwurzelten kulturellen Überzeugungen in unserer Bevölkerung, in der Gewalt als Normalität akzeptiert und gewahrt wird. Abgesehen von den kulturellen Überzeugungen ist es jedoch die Armut, die viele Eltern dazu zwingt, ihre Kinder früh zu verheiraten.

Viele Eltern verstehen das Problem nicht. Sie sind der Meinung, dass Mädchen dazu geboren wurden, Hausarbeiten zu verrichten und dass ihnen eine frühe Ehe ein glückliches Leben beschert. Ich habe eine Freundin, die direkt neben uns wohnt. Als sie 12 Jahre alt war, haben ihre Eltern eine Ehe für sie arrangiert. Sie vertrat jedoch eine andere Meinung und widersetzte sich dem Willen ihrer Eltern. 

Eines Tages erzählte sie uns, dass ihr Vater noch für den selben Tag die Eheschließung geplant habe. Sie benötigte Hilfe, um die Hochzeit zu verhindern. Wir kontaktierten einen örtlich zuständigen Regierungsbeamten, der glücklicherweise mit Polizeiverstärkung eintraf, noch bevor die Hochzeit geschlossen werden konnte. Der Junge, der sie heiraten wollte, konnte fliehen. Die Polizei erklärte der Familie, dass Kinderehen gegen das Gesetz seien und dass ein Mädchen mindestens 18 Jahre alt sein müsse, um heiraten zu dürfen. Letztendlich kam die Hochzeit nicht zustande. Jetzt ist sie in der 7. Klasse und möchte weiter zur Schule gehen, um sich eine gute Zukunft zu ermöglichen. Für uns war das eine wichtige Lektion und Erfahrung. Wir fühlten uns gut dabei, das Leben einer unserer Freundinnen gerettet zu haben.

Kulturelle Überzeugungen, Analphabetismus und ein Mangel an Wissen können nicht länger als Ausreden gelten. Wenn wir Menschen aufklären, werden sie Richtig und Falsch, Gut und Böse voneinander unterscheiden können. Hoffentlich gelingt es ihnen dann, alle Formen von Gewalt auszulöschen.