Die Verwundbarkeit von Kindern angesichts
bewaffneter Konflikte

Von Mary Hannah, 16 Jahre, Young Leader aus dem Südsudan


Meine Mutter hat uns großgezogen, da mein Vater nicht Teil unseres Lebens war. Jeden Tag ging meine Mutter in den Busch, um Gras zu sammeln und es zu Büscheln zu verarbeiten. Die so entstandenen Besen verkaufte sie, um uns ernähren zu können. Wir führten ein sehr hartes Leben. Aus Angst vor dem Tod verließ kaum jemand sein Heimatdorf. Meine Mutter befürchtete jedoch, dass wir verhungern würden, wenn wir in unserem Dorf blieben. 

Im Jahr 2009 zogen wir also nach Juba. Es war eine sehr anstrengende Reise. Meine Mutter ließ mich meine kleine Schwester auf dem Rücken tragen. Wir hatten nur die Kleidung, die wir am Leibe trugen und besaßen nicht einmal Schuhe. Drei Tage lang aßen wir nur wilde Früchte und tranken schmutziges braunes Wasser. Es war unsäglich heiß. Meine Füße schmerzten und meine Schwester wurde sehr krank. Ich hatte immer mehr Schwierigkeiten, sie zu tragen, aber wir liefen weiter. Nachts hatte ich Angst zu sterben. 

Ich wurde ein Straßenkind, als wir in Juba ankamen. Die Polizei verhaftet manche Straßenmädchen und schickt sie wegen Diebstahls oder anderer schlimmer Dinge ins Gefängnis. Mädchen sind von bewaffneten Konflikten stärker betroffen, sie erleiden häufiger Gewalt, da sie Opfer von Vergewaltigungen werden und gelegentlich sogar daran sterben. Viele Mädchen werden vergewaltigt, manche werden sogar zu Sexarbeiterinnen. 

Ich war mir der vielen Vergewaltigungen und der Gewalt gegen Mädchen um uns herum bewusst – insbesondere nachts, weshalb ich nur einen leichten Schlaf entwickelte, um auf meine Schwestern aufzupassen. Eines Nachts kam ein Mann in unsere Hütte.  Es gelang ihm, meine Schwester zu entkleiden, aber ich schrie und schlug ihn, woraufhin er schließlich floh.  

Manche Kinder haben die Hoffnung verloren, denn obwohl die Menschen oft über Frieden sprechen, erleben wir ständig bewaffnete Kämpfe. Daher denken viele Kinder, dass sich im Südsudan nie etwas ändern wird. Wenn ich das Haus verlasse, habe ich stets Angst, dass ein neuer Konflikt ausbricht. 

Trotz der Dinge, die mir widerfahren sind, habe ich jedoch Glück gehabt. Es gibt noch immer viele Kinder im Südsudan, die nicht so viel Glück haben wie ich. Sie schaffen es nicht allein und brauchen jegliche Hilfe, die sie bekommen können.